Schule und Unterricht > Unterrichtsfächer > Warum Latein? 

Warum Latein?

Warum heute noch Latein?

1.  Latein als Training fürs Deutsche.

Der Lateinunterricht leistet dem Bewusstsein der Muttersprache und der Entwicklung des Sprachgefühls wertvolle Dienste. Die Übertragung ins Deutsche schult das Ausdrucksvermögen und entwickelt bewusste Sprachgestaltung. Satzstrukturen und Grammatik werden  im Lateinunterricht vertieft und durch eine permanente Arbeit am Text gefestigt. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich muttersprachliche Fähigkeiten von Lateinschülern. gegenüber Nicht-Lateinern im Laufe der Schulzeit signifikant nach oben entwickeln.

 

2. Latein als Grundlage der meisten europäischen Sprachen.

Wer Latein gelernt hat, besitzt einen Schlüssel für viele Sprachen, mehr als in der Schule gelernt werden können. Etwas 90% des Wortschatzes der romanischen Sprache, z.B. des Französischen, des Spanischen oder des Italienischen entstammen unmittelbar dem Lateinischen. Aber auch das Englische ist etwa zu 60% lateinischen Ursprungs, wobei Wortneubildungen in hohem Maße dem Lateinischen entstammen. Nicht zuletzt weist auch unsere Sprache einen hohen Anteil an lateinischen Lehn- und Fremdwörtern auf.

 

3. Latein als Sprache der modernen Kommunikation

Die modernen Medien bedienen sich in immer höherem Maße Fremdwörter und diese kommen in der Regel aus der lateinischen Sprache (z.B. Administration für Verwaltung, Relevanz für Bedeutung, optimal für sehr gut). Die Vokabelkenntnisse befähigen die Schülerinnen und Schüler, ganz selbstverständlich mit ihnen umzugehen. Darauf aufbauend ergibt sich weiterhin der Effekt, dass Schülerinnen und Schüler sprachliche Verschleierung durch Fremdwörter leichter durchschauen können. Ihnen wird klar, wie Sprache bei allem Nutzen auch als Werkzeug zur Verfälschung von Sachverhalten dienen kann.

 

4. Latein als Eckpfeiler der abendländischen Kultur

Die lateinische Sprache hat die Völker Europas geeinigt. Sie war die Sprache der gebildeten Welt des Mittelalters und der Renaissance in Europa und wurde bis ins 18. Jahrhundert noch von den  Gelehrten gesprochen. Zeugnis sind die vielen lateinischen Wörter, die bis heute ihre Gültigkeit behalten haben: Republik, Religion, Pietät, Autorität, Toleranz, Humanität, Staat, Person etc.

Trotz des Fortschritts in Technik und Wissenschaft bleibt Latein und die Beschäftigung mit der Antike eine entscheidende Grundlage unserer europäischen Kultur.

Wer Latein lernt, gewinnt Achtung vor den Werten der Vergangenheit!

 

5. Latein als Voraussetzung für das Studium und als Sprache der Wissenschaft  und Technik

Der größte Teil der heute gebräuchlichen Fremdwörter ‑  vor allem auch in den wissenschaftlichen Fachsprachen ‑ geht auf das Lateinische zurück. Seine Kenntnis ist unter anderem Voraussetzung für das Studium der Sprachen, Geschichte, Theologie, zum Teil auch für Jura und muss laut Studienordnungen nachgewiesen werden. Fehlen diese Nachweise, so sind sie nur unter großen zusätzlichen Anstrengungen an der Universität oder in teuren kommerziellen Instituten nachzuholen und können eine Verzögerung des Studiums  bewirken. Aber auch das Studium anderer Fachrichtungen, vor allem Medizin, Pharmazie, Naturwissenschaften, wird durch die Kenntnis des Lateinischen erleichtert.

 

 

 

Latein am EKG

 

Wir bieten Latein als zweite Fremdsprache ab der Klasse 6 und als dritte Fremdsprache ab der Klasse 8 an.

 

Latein 8

Die Sprache wird in Klasse 8 und 9 vierstündig, in den Klassen 10 bis 11 dreistündig unterrichtet.

Der Kurs schließt am Ende der Klasse 11 bei mindestens ausreichenden Leistungen mit dem Latinum ab.

Als Unterrichtswerk werden wir in den ersten beiden Jahren „Iter Romanum“  benutzen.  Die Schüler und Schülerinnen werden mit diesem Buch eine thematische Reise durch Raum und Zeit unternehmen. Dabei werden sie den Alltag im alten Rom, die römische Geschichte und wichtige Denkmäler kennenlernen.

Lateinkenntnisse als Studienvoraussetzung

Lateinkenntnisse als Studienvoraussetzung

Es  ist unbedingt auf folgendes zu achten: Im Zuge der Umstellung auf Bachelor/Masterstudiengänge wird zwar in einer Reihe von Prüfungsordnungen das Latinum nicht mehr erwähnt. Dies bedeutet aber nicht, dass es nicht mehr notwendig ist! Es werden zunehmend Studiengänge bekannt, wo als Zugangsvoraussetzung für die Seminare Latinumskenntnisse verlangt werden! Außerdem sind immer mehr Universitäten bekannt, an denen im Rahmen der Zulassungsgespräche durch die Professoren und Dozenten ausdrücklich nach Lateinkenntnissen gefragt wird! Bekanntlich ist das Abitur bei einer immer größer werden Zahl von Studiengängen nur eine Voraussetzung für die Zulassung zum Studium. Die Eignung hierfür wird immer mehr zusätzlich durch Bewerbergespräche überprüft!

 

Dazu schreibt der Altphilologenverband:

 

„Es gibt zur Zeit etwa 120 Fächer und Spezialfächer, deren Studien- und Prüfungsordnung Latein vorschreiben.

 

Latein sollte man als Schüler lernen, nicht erst als Student.

Aber leider werden Schüler häufig zu spät oder gar nicht informiert, welche Bedeutung Latein für zahlreiche Studienfächer hat. An manchen Schulen wird Latein noch  nicht einmal angeboten. Die Folge ist, dass Latein während des Studiums nachgelernt werden muss.

Das kostet vor allem wertvolle Studienzeit. Für den Erwerb des Latinums sind – so die Faustregel – bei mittlerer Sprachbegabung zwei Semester lang täglich etwa vier Stunden aufzubringen. Trotz des Großen Einsatzes, den Studenten in solchen Latinumskurse investieren, ist die Misserfolgsquote leider sehr hoch.

Auch deshalb sind Kultusministerien und Schulen dringend aufgefordert, ihre Verantwortung für eine rechtzeitige Information der Schüler über  Latein als Studienvoraussetzung wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass Schüler überall in Wohnortnähe die Chance haben, gründlich Latein zu lernen!

 

Erlebnisbericht Betroffener

Ein Erlebnisbericht Betroffener

Hallo, liebe Leser,

Wir gehören zu der großen Gruppe von Studierenden, die in der Schule kein Lateinunterricht hatten und deshalb an der Uni die Lateinkenntnisse erwerben mussten.

Was uns besonders an der ganzen Geschichte ärgert, ist die Tatsache, dass wir alle-samt zu Schulzeiten von unseren Lehrern völlig falsch beraten wurden. Immerhin wurden wir aber von den Professoren auf die verschiedenen Möglichkeiten hinge-wiesen, wie man das Latinum nachholen könne.
Universitätskurse
Kurse an Privatschulen

Nach dem ersten Schock gleich ein zweiter: Wir hatten uns alle dazu entschlossen, die Lateinkurse an der Uni zu belegen. Diese wurden von dem zur Universität ge-hörenden Institut für Klassische Philologie angeboten. Als wir dahin kamen, muss-ten wir feststellen, dass die Anmeldelisten offenbar schon Wochen zuvor ausge-hängt worden waren. Keine Liste, auf der nicht bereits 70 und mehr Namen standen! Einige waren wegen Überfüllung bereits gesperrt
Es blieb uns nichts anderes übrig, als uns zu den völlig überfüllten Kursen anzu-melden. Die Anfängerkurse fanden zweimal in der Woche je zwei Stunden statt.Als wir uns wenige Tage später in dem betreffenden Uni-Hörsaal trafen, mussten wir feststellen, dass sich weit mehr als die angemeldeten Teilnehmer eingefunden hat-ten. Insgesamt waren unserer Schätzung nach um die 100 Studierende anwesend.

Wir dachten zunächst, der Kursleiter sei nicht ganz bei Trost, als er erklärte, wir müssten pro Tag zusätzlich zu den Sitzungen etwa sechs Stunden häuslicher Arbeit einplanen.

Leider hat sich diese Aussage voll bewahrheitet. Im Laufe des Semesters ging diese Arbeitsbelastung sogar noch deutlich nach oben und einige saßen 8 - 9 Stunden täglich über ihren Aufgaben.

Höchst interessant war im übrigen die enorme Fluktuation. Nach der Zwischen-klausur war die Teilnehmerzahl um rund 1/3 geschrumpft, die Abschlussklausur traten dann gerade mal 50 % der ursprünglich Angetretenen an. Was aus dem Rest wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Abschlussklausur selbst war sehr anspruchsvoll und wer im Kurs nicht gut mitgearbeitet hatte, konnte sie vergessen.

In den folgenden Semesterferien gab es nur sehr wenig Pause; wir alle mussten den im Anfängerkurs behandelten Stoff gründlich wiederholen.


Im nächsten Semester folgte der Fortgeschrittenenkurs, den nur die besuchen durften, die im ersten Kurs mindestens „4“ erreicht hatten. Für alle anderen gab es die Möglichkeit einer „Nachklausur“. Wer diese bestand, durfte ebenfalls den Kurs II besuchen.

In diesem Kurs lag der Schwerpunkt auf Übersetzen. Behandelt wurden verschiedene Reden Ciceros. Der Schwerpunkt lag auf den „Orationes in C. Verrem“. Wir durften unseren Wortschatz noch einmal erheblich erweitern, da das Vokabular des Übungsbuches vom Anfängerkurs natürlich nicht ausreichte. Grammatik wurde jetzt entsprechend ihrem Vorkommen in der Lektüre behandelt. Dazu kam jetzt reichlich Interpretation sowie die Behandlung der bei Cicero häufig vorkommenden Stilmittel. Arbeitszeit auch in diesem Kurs: 6-8 Stunden täglich.

Auch hier gab es wieder zwei Klausuren, deren Gesamtergebnis mindestens „4“ sein mußte. Diese „4“ war übrigens auch die Voraussetzung, um über die Universität zur Prüfung angemeldet zu werden. Der interessantere der beiden Kurse war zweifellos dieser Kurs. Während es im ersten Kurs vorwiegend Grammatik und Vokabeln zu lernen gab (siehe oben !), erhielten die Teilnehmer hier einen sehr guten Einblick in die spezifisch römische Kultur.

Gegen Ende des Kurses verteilte der Kursleiter an diejenigen, die den Kurs mit wenigstens der Note „4“ abgeschlossen hatten, die Anmeldebögen für die Abschlußprüfung. Wer wollte, konnte sich über die Uni anmelden und wurde dann in der mündlichen Prüfung vom Kursleiter geprüft. Alle anderen konnten sich auf eigenes Risiko selbst anmelden. Diese mußten sich dann von fremden Prüfern auf den Zahn fühlen lassen.

Was soll man zur schriftlichen Prüfung sagen ? Sie war sehr schwer und dies, obwohl wir ein Wörterbuch verwenden durften. Bei der Prüfung zeigte es sich, daß dieses Wörterbuch nur bei Spezialausdrücken oder gelegentlichen „Blackouts“ von Nutzen ist. 95 % der Wörter muß man im Gedächtnis haben, sonst verliert man beim Nachschlagen extrem viel Zeit und wird mit der Klausur nicht fertig. 30-40 % der mit uns zur Prüfung Angetretenen fiel beim schriftlichen Examen durch und davon mehr als die Hälfte, weil diese Teilnehmer zu lange im Wörterbuch suchten.

Bei der mündlichen Prüfung durfte man das Wörterbuch erst gar nicht verwenden. Hier wurde man am Tag der Prüfung in einen Raum geführt, bekam seinen Text, der aus etwa 55-70 Wörtern bestand und durfte diesen 15 Minuten unter Aufsicht, aber ohne Wörterbuch bzw. sonstige Hilfsmittel vorbereiten.

Die Prüfung dauerte etwa 20 Minuten und war für viele schlimm. Die Prüfungskommission (bestehend aus drei Damen und Herren) war auch sehr höflich, konnte uns aber in vielen Fällen nicht helfen, da jede direkte Hilfe von Seiten der Prüfer als Fehler gewertet werden muß. Zunächst mußten wir übersetzen, dann Fragen zur Grammatik zum Stil und Text beantworten. Das war für viele nicht leicht !

Wir vier haben jetzt alle Latinumsprüfungen hinter uns; Hartmut und Julia legten sogar ein Semester später die viel schwerere Prüfung zum Großen Latinum erfolgreich ab.

Aber vielleicht verstehen Sie, liebe Leser, uns jetzt etwas besser, wenn wir allen, die ein geisteswissenschaftliches Fach studieren wollen, dringend raten, Latein in der Schule zu lernen ! Die Uni- und Privatkurse können nur ein Notbehelf sein - mit entsprechenden Folgen. Und Latein ist für zahlreiche Fächer unbedingt notwendig. Es bringt für das Fachstudium großen Nutzen !

Lassen Sie es sich gesagt sein: Latein lernt man an der Schule sehr viel bequemer und einfacher als an der Uni. Machen Sie nicht den gleichen Fehler wie wir und erwerben Sie die notwendigen Lateinkenntnisse an der Schule. Es lohnt sich in jedem Fall !

Mit freundlichen Grüßen
Christina Hofheinz, Hartmut Müller, Julia Takano, Andreas Deigelsberger

Zurück