Kunststoffe sind einfach Klasse!
Liebe Freunde des Fachbereiches Chemie am EKG,
wir möchten Sie und Euch gerne mit der Welt der Kunststoffe vertraut machen und herzlich einladen zu einer Veranstaltung der Reihe "Campus Kalkuhl"
am Donnerstag, dem 28. 02. 2008 um 16:00 Uhr
im Chemieraum des EKG
zu einem Experimentalvortrag
von Herrn Dr. Gerhard Heywang .
Dabei stehen die Eigenschaften moderner Kunststoffe und die darauf basierenden Anwendungen im Mittelpunkt des sicherlich hoch informativen und spannenden Vortrags.
Ravi Dessai, Wilfrid Stephan, Antje Fingerhuth-Spindler
„Kunststoffe sind einfach Klasse!“ – Ein Experimentalvortrag
Passend zum Abschluss des Themas „künstliche Makromoleküle“ der Chemiker der Jahrgangstufe 13 des EKGs fand am 28.02.08 im Chemieraum ein lebhafter Experimentalvortrag von Herrn Dr. Gerhard Heywang von der Bayer AG statt. Erschienen sind natürlich auch interessierte Schüler aus der Jahrgangstufe 12 sowie Presse und ein Fernsehteam.
Dr. Heywang studierte Chemie und trat nach seiner Promotion 1978 in die Zentrale Forschung der Bayer AG in Leverkusen ein, wo er mehrere Jahre auf dem Gebiet der Forschung von Wirkstoffen und Werkstoffen tätig war. Dabei hat er einen elektrisch leitfähigen Kunststoff (Polymer) miterfunden. Seit 1992 ist er für Hochschulkontakte und Wissensmanagement der Bayer AG zuständig und hält viele populärwissenschaftliche Vorträge.
Dr. Heywang erläuterte in seinem Vortrag Eigenschaften moderner Kunststoffe und die daraus folgenden Anwendungsgebiete. Er war in der Lage sein Wissen in einer sehr lustigen Art aber praxisorientierten Weise zu vermitteln.
Anstatt mit theoretischen Molekülen zu operieren bezieht er sich in seinem Vortrag gerne auf Gegenstände des täglichen Lebens: Joghurtbecher wurden geschmolzen, Luftballons platzten nicht obwohl sie mit einer Nadel durchstochen wurden. Interessant war auch die Herstellung von Nylon und die Besonderheit der Windel.
Die zahlreiche Zuhörerschaft wurde mit in den Experimentalvortrag eingebunden, so konnten Schüler durch besondere Kenntnisse Preise, z.B. eine CD mit „klassischer Musik“ oder ein Überraschungsei gewinnen.
Heutzutage sind Kunststoffe kaum noch wegzudenken. In fast allen Bereichen spielen sie eine wichtige oder sogar entscheidende Rolle, teils von den Anwendern ganz unbemerkt.
Der Joghurtbecher kommt nahezu in jedem Haushalt vor und besteht aus Polyethylen, einem typischen Kunststoff für Verpackungsmaterial. Bei der Herstellung wird zunächst eine ebene Kunststoffschicht über eine Form gelegt und zur zähflüssigen Masse erhitzt, dabei senkt es sich etwas in die Form und wird zusätzlich angesogen, um die gewünschte Form zu erhalten. Sobald der Kunststoff die gekühlte Form berührt, erhärtet er. Dieser Prozess dauert ca. 20 sek. Nach dem Abkühlen erhält man dann den Joghurtbecher, der dann abgefüllt und etikettiert wird.
Um diesen Becher raumsparend in der gelben Tonne entsorgen zu können, kann man den sauberen Joghurt zu einer platten Form schmelzen, weil er ein Thermoplast und kein Duroplast ist. Thermoplasten sind nach Erhitzen wieder verformbar, während Duroplasten nicht mehr verformbar sind, weil die verschiedenen Molekülketten durch Elektronenpaarbindungen dreidimensional engmaschig vernetzt sind.
Und nun zum Trick mit dem Luftballon, der nicht platzt, wenn er durchstochen wird. Dies hat aber leider weniger mit Chemie als mit Physik zu tun:
Das Material des Luftballons ist form- und herstellungsbeding nicht gleichmäßig dick. An der Spitze verbleibt mehr Material übrig, sodaß beim Ausdehnen des Ballons diese Stelle nicht so unter Spannung steht wie der Rest. Deshalb lässt sich dort eine Nadel reinstechen ohne dass der Luftballon platzt.
Bei einem der zahlreichen Experimente hat Dr. Heywang Nylon hergestellt. In ein Becherglas werden zwei Lösungen gegeben, welche Dr. Heywang zur Veranschaulichung als „Jungen“ und „Mädchen“ bezeichnet. Lösung „Junge“ besteht aus Sebacinsäuredichlorid und Lösung „Mädchen“ aus Natronlauge und Hexandiamin. Bei der Vermischung entstehen zwei sichtbare Phasen. Greift man mit der Pinzette in die untere Schicht und zieht sie durch die obere hindurch so entsteht ein langer, sich vermehrender Faden, der berühmte Nylon-Faden.
Windeln besitzen einen ganz speziellen Kunststoff, den Superabsorber, welcher den Urin von Kleinkindern „absorbiert“ und zu einer geleartigen Substanz bindet. 6 bis 8g dieses Spezialkunststoffes befinden sich in einer herkömmlichen Babywindel, wobei 1g dieses Stoffes 1Liter Flüssigkeit verfestigt. Seniorenwindeln haben mit 60-80g Superabsorber eine größere Kapazität.
Es war eine gelungenen Präsentation von Dr. Heywang und den einen oder anderen hat er sicherlich von den Vorteilen der Kunststoffe überzeugt. Das Finale leitete er standesgemäß mit einem Trompetensolo aus einem Schlauch mit aufgesetztem Trichter und Mundstück - natürlich alles aus Kunststoffen – ein und untermauerte seine musikalischen Fähigkeiten.
Konstantin Vieweg
Lesen Sie dazu auch den Artikel im General-Anzeiger vom 05. 03. 2008:
Platt geföhnter Joghurtbecher
OBERKASSEL. „Überraschungsei oder CD?" Chemiker Gerhard Heywang belohnt seine Zuschauer für die Mithilfe bei seinen Experimenten. Bei seinem Vortrag „Kunststoffe sind einfach Klasse!" im Ernst-Kalkuhl-Gymnasium sind hauptsächlich Schüler anzutreffen. Das merkt man schon vor dem Vortrag. Ein Schüler will sich setzen, sein Hintermann zieht ihm den Stuhl weg. Er landet auf dem Boden. „Witzbold!"
Chemiker Heywang kommt standesgemäß im weißen Kittel und zeigt viele Experimente an alltäglichen Gegenständen. Er zeigt wie und warum man innerhalb von Sekunden einen benutzten Joghurtbecher platt föhnen kann, warum ein Luftballon nicht platzt, wenn man die Stelle, in die man sticht, vorher mit Klebeband abklebt. Er stellt Plastik her und bezeichnet die dabei reagierenden Chemikalien als „Mädchen und Jungen, die sich nun die Hand geben müssen, um eine Kette zu bilden". Außerdem erklärt er, dass ein Luftballon immer in drei Teile zerplatzt, ganz selten auch in vier. Diese und noch viele weitere Experimente runden den Nachmittag im Chemieraum 42 ab.
General-Anzeiger Bonn vom 05.03.2008
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